Was uns Menschen glücklich macht

Was uns Menschen glücklich macht

Was uns Menschen glücklich macht

Als vor 4 Jah­ren der renom­mier­te Arzt und Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Dr. Tobi­as Esch im Rah­men einer Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung zum The­ma Gesund­heit über Glück und Glück­for­schung refe­rier­te, glaub­te ich mei­nen Ohren nicht zu trau­en. Natür­lich war das Wort „Glück“ auch damals…

Als vor 4 Jah­ren der renom­mier­te Arzt und Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Dr. Tobi­as Esch im Rah­men einer Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung zum The­ma Gesund­heit über Glück und Glück­for­schung refe­rier­te, glaub­te ich mei­nen Ohren nicht zu trau­en.
Natür­lich war das Wort „Glück“ auch damals schon fes­ter Teil mei­nes Wort­schat­zes. Aber „Glück“ war für mich in mei­nem Bewusst­sein kein ernst­zu­neh­men­des The­ma und schon gar nicht war „Glück“ für mich ein ange­mes­se­ner Gegen­stand streng wis­sen­schaft­li­cher Forschung.

Glück ist mehr als nur ein Wort aus kitschigen Liebesromanen

Mitt­ler­wei­le habe ich zu dem Wort „Glück“ eine ganz ande­re Hal­tung ent­wi­ckelt. Glück ist jetzt für mich ein ange­neh­mes Emp­fin­den im Leben von uns Men­schen, nach dem wir alle immer wie­der stre­ben. Glück ist ein emo­tio­na­ler Zustand, der fast schon magi­sche, posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf unser psy­chi­sches und kör­per­li­ches Befin­den hat. Glück ist mitt­ler­wei­le auch schon viel­fach in wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en unter­sucht wor­den.
Des­we­gen möch­te ich dem The­ma „Glück“ hier heu­te sehr ger­ne einen gan­zen Blog­bei­trag widmen.

Was ist Glück wirklich?

Mit Glück ist in die­sem Bei­trag nicht der glück­li­che Zufall gemeint. Als Erklä­rung von Ereig­nis­sen im Sin­ne von „da hast Du aber Glück gehabt“.
Ich möch­te hier über Glück als ein für uns ganz wich­ti­ges sub­jek­ti­ves Emp­fin­den schrei­ben. Und die­se Art von Glück lässt sich zunächst ein­mal in zwei­er­lei Wei­se unter­schei­den: ein­mal in den „glück­li­chen Moment“ als zeit­lich befris­te­te Reak­ti­on auf ein inne­res oder äuße­res Ereig­nis. Und zum ande­ren in das „glück­li­che Leben“ als einen län­ger­fris­ti­gen Zustand, eine Grund­stim­mung oder Grund­hal­tung in unse­rem Leben. Hier kön­nen wir auch von einem Glücks-Set­point oder einer Glücks – Base­li­ne spre­chen, die bei uns Men­schen indi­vi­du­ell sehr unter­schied­lich ent­wi­ckelt sein kann. Die­ser Glücks-Set­point ist ein über­dau­ern­der Zustand von mehr oder weni­ger gro­ßer Zufrie­den­heit, Har­mo­nie, Leich­tig­keit oder Erfül­lung. Von die­ser Glücks-Base­li­ne aus bewegt sich dann das aktu­el­le, zeit­lich befris­te­te Glücks­emp­fin­den nach oben bei posi­ti­ven Ereig­nis­sen. Und nach unten, wenn etwas Nega­ti­ves gesche­hen ist.

Glücklich sein ist für uns ein Zustand, der uns antreibt

Das Emp­fin­den von Glück und da ins­be­son­de­re in der Qua­li­tät des glück­li­chen Momen­tes wol­len wir Men­schen immer wie­der haben. Das Ver­lan­gen nach die­sem ange­neh­men, mit­un­ter sogar eupho­risch, rausch­haf­ten Zustand treibt uns immer wie­der an, aktiv zu wer­den und zu han­deln. Tat­säch­lich erle­ben wir Men­schen die­sen Zustand des Glück­lichseins als Beloh­nung. Und immer wenn eine bevor­ste­hen­de Hand­lungs­wei­se uns die­se Art von Beloh­nung, die­sen ange­neh­men Zustan­des als Ergeb­nis unse­rer Hand­lung in Aus­sicht stellt, sind wir moti­viert, zu handeln.

Die Erwartung von Glück ist für uns Menschen Motivation

Die Erwar­tung einer Beloh­nung in Form von Glück und Wohl­be­fin­den als Fol­ge unse­res Ver­hal­tens nen­nen wir tat­säch­lich Moti­va­ti­on. Wenn wir also erwar­ten, dass eine bestimm­te Hand­lung von uns am Ende die­sen „magi­schen“ Zustand des Wohl­be­fin­dens in uns aus­löst, wer­den wir aktiv. Wir wer­den aktiv und voll­brin­gen mit­un­ter unvor­stell­ba­re Leis­tun­gen, um schließ­lich, wenn die Leis­tung voll­bracht ist, die­ses wun­der­ba­re Wohl­be­fin­den also unse­re Beloh­nung zu erle­ben. Das ist Stand der neu­ro­wis­sen­schaft­li­chen For­schung. Und es ist als pra­xis­re­le­van­tes Wis­sen lei­der noch nicht beson­ders weit ver­brei­tet in den Berei­chen, in denen es so wert­voll für das Moti­vie­ren von Men­schen wäre: In der Erzie­hung, in der Schu­le, in Unter­neh­men, in der Politik.

Was geschiet in unserem Gehirn, wenn wir glücklich sind?

Die Erwar­tung einer Beloh­nung in Form von Glück und die Aus­lö­sung die­ses Glücks­emp­fin­den wird in unse­rem Gehirn im meso­l­im­bi­schen Sys­tem gesteu­ert. Hier sitzt unser inter­nes Bewer­tungs- und Moti­va­ti­ons­sys­tem. Die­ses Sys­tem sagt uns, ob ein bevor­ste­hen­des Ver­hal­ten das von uns so begehr­te Glücks­emp­fin­den wahr­schein­lich aus­lö­sen wird oder nicht. Wenn unser Gehirn eine Beloh­nung für unse­re Akti­vi­tät erwar­tet, dann schüt­tet es Dopa­min aus. Dopa­min ist also der magi­sche „Moti­va­ti­ons­stoff“. Und wenn dann unser Ver­hal­ten erfolg­reich war, dann schüt­tet unser meso­l­im­bi­sches Sys­tem die­sen „sagen­haf­ten“ Cock­tail aus neu­ro­mo­du­la­to­ri­schen Sub­stan­zen aus. Die­sen Cock­tail, der in hoher Kon­zen­tra­ti­on sogar rausch­haf­te Zustän­de in uns aus­lö­sen kann. So wie nach dem Genuss von Drogen.

Unser Körper versorgt uns mit organischen Drogen, wenn wir es uns verdient haben

Und tat­säch­lich gehö­ren zu die­sem wohl­tu­en­den Cock­tail auch kör­per­ei­ge­ne Opio­ide und Can­na­bi­no­ide. Sie docken in unse­rem Gehirn an den­sel­ben Rezep­to­ren an, wie die von uns von außen zuge­führ­ten Dro­gen. Sie wir­ken also genau­so, wie von uns ein­ge­nom­me­ne Dro­gen. Zusätz­lich ent­hält die­ser Cock­tail Oxy­to­cin, das „Kuschel­hor­mon“ und Sero­to­nin, das Beru­hi­gungs­hor­mon. Die Aus­schüt­tung von Sero­to­nin sagt uns, dass doch gera­de alles gar nicht so schlimm ist in unse­rem Leben, wie wir viel­leicht zunächst den­ken. Sero­to­nin wird des­halb auch als „Glücks­hor­mon“ bezeichnet.

Es gibt viele Namen für ein und denselben Zustand

Der Umfang der Leis­tung, die wir erbracht haben, um dann von unse­rem meso­l­im­bi­schen Sys­tem belohnt zu wer­den, ent­schei­det über die Inten­si­tät des in der Fol­ge erleb­ten glück­li­chen Emp­fin­dens. Je mehr wir dafür „tun“ muss­ten, umso inten­si­ver ist in der Regel unser Glücks­emp­fin­den.
Und die­ser Zustand, den wir immer wie­der erle­ben wol­len, hat vie­le Namen: Glück, Erfül­lung, Freu­de, Zufrie­den­heit, Eins sein, im Fluss sein, Ent­span­nung, Hoch­stim­mung, Rausch, Eupho­rie. Und immer ist ein und das­sel­be Wohl­be­fin­den gemeint, das aus­ge­löst wird durch ein und den­sel­ben Cock­tail der begehr­ten neu­ro­mo­du­la­to­ri­schen Substanzen.

Wir haben unser Glück ein Stück weit in unserer Hand

Unse­re Fähig­keit für den glück­li­chen Moment und das glück­li­che Leben ist laut der Glücks­for­schung bei uns Men­schen zu 50% ange­bo­ren. Von den rest­li­chen 50% beein­flus­sen zu 10% die äuße­ren Umstän­de die Inten­si­tät unse­res Glücks­emp­fin­dens und zu 40% sind wir durch unser Den­ken und Han­deln für unser Glück selbst ver­ant­wort­lich. Das heißt aber auch, dass wir unse­re Fähig­keit, glück­lich zu sein, trai­nie­ren kön­nen. Und damit dann das Emp­fin­den von Zufrie­den­heit, Har­mo­nie, Freu­de, Glück in unse­rem Leben und in bestimm­ten Augen­bli­cken erhö­hen können.

Was uns Menschen wirklich glücklich macht

Vie­le Stu­di­en zei­gen, dass Geld uns nur bis zu einer bestimm­ten Höhe von Ein­kom­men und Ver­mö­gen glück­li­cher macht. Ab die­sem „kri­ti­schen“ Punkt erhöht sich unser Glücks­emp­fin­den nicht mehr, wenn wir mehr Geld haben.
Ganz wich­tig für das Erle­ben von Glück und Zufrie­den­heit in unse­rem Leben sind 3 Fak­to­ren, die unter dem Begriff Kohä­renz zusam­men­ge­fasst wer­den. Das heißt wir sind glück­li­cher, wenn wir 1. die Welt um uns her­um ver­ste­hen, wenn wir die Gescheh­nis­se erklä­ren kön­nen. 2. macht es uns glück­li­cher, wenn wir den Ein­druck haben, wir kön­nen die Din­ge in unse­rem Leben beein­flus­sen. Und schließ­lich macht es uns 3. glück­lich, wenn unser Leben einen Sinn hat.

Die „Grant Study“ und der Einfluss sozialer Beziehungen auf Glück und Gesundheit

Eine der außer­ge­wöhn­lichs­ten Lang­zeit­stu­di­en, die je gemacht wur­den, ist die „Grant Stu­dy“ der Har­vard Uni­ver­si­ty. Seit immer­hin jetzt 1938 wer­den männ­li­che Stu­den­ten und mitt­ler­wei­le auch deren Nach­kom­men regel­mä­ßig mit Fra­ge­bo­gen, Gesprä­chen und medi­zi­ni­schen Ver­fah­ren unter­sucht. Ziel die­ser Stu­die ist es, her­aus­zu­fin­den, wel­che Fak­to­ren psy­chi­sche und medi­zi­ni­sche Gesund­heit sowie Glück und Zufrie­den­heit ver­stär­ken. Und die­se Stu­die zeigt, wie auch zahl­rei­che ande­re Unter­su­chun­gen, dass neben der gesun­den Lebens­wei­se ins­be­son­de­re auch die men­schen­lie­ben­de, ein­fühl­sa­me, wert­schät­zen­de Bezie­hung zu ande­ren Men­schen ganz ent­schei­den dafür ist, wie gesund und glück­lich wir Men­schen sind. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Fak­tor ist, wie wir mit unse­ren Kri­sen umge­hen. Men­schen, die Kri­sen als Chan­ce sehen und ver­su­chen aus ihnen zu ler­nen, geht es bes­ser. Auch das Aus­drü­cken von star­ken Gefüh­len ist wich­tig für unser Wohl­be­fin­den und unse­re Gesund­heit, zeigt die Grant Study.

Wie können wir unser glücklich Sein trainieren?

Wie kön­nen wir also die­se 40% Chan­ce, mit der wir das Glück in unse­ren Hän­den hal­ten, für das Trai­ning unse­res Glücks­emp­fin­dens und die Stei­ge­rung unse­res Lebens­glücks nut­zen?
Einen guten Anhalts­punkt hier­für gibt uns das PER­MA-Model des ame­ri­ka­ni­schen Ver­tre­ters der posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie Mar­tin Selig­mann. Er emp­fiehlt, fol­gen­de Punk­te zu beach­ten: 1. P‑ositive Emo­ti­ons: trai­nie­re posi­ti­ve Emo­tio­nen wie Dank­bar­keit, Genuss, Opti­mis­mus, Wert­schät­zung… 2. E‑ngagement: – geh in Dei­nen Ver­pflich­tun­gen auf, erle­be Dich als kom­pe­tent und kom­me in Dei­nem Leben so oft es geht in einen Flow. 3. R‑elationship: baue mehr gesun­de, stär­ken­de, lie­be­vol­le, ehr­li­che Bezie­hun­gen auf. Ent­wick­le Dein sozia­les Netz­werk wei­ter. 4. M‑eaning: Erken­ne einen Sinn in Dei­ner Arbeit, Dei­nem Leben, in dem, was Du tust. 5. A‑ccomplishment: set­ze Dir rea­lis­ti­sche Zie­le und errei­che sie. Baue Selbst­ver­trau­en und Selbst­wert auf.

Gib Dir die Erlaubnis, glücklichzusein

Und ich füge ger­ne noch hin­zu: Vor­aus­set­zung für unser Glück­lich­sein ist es, dass wir uns die­ses wohl­tu­en­de Gefühl als Beloh­nung zunächst ein­mal über­haupt erlau­ben. Und dies fällt vie­len von uns in unse­rer Kul­tur nach mei­ner Wahr­neh­mung recht schwer. Einer Kul­tur, in der Pro­ble­me haben und sich Sor­gen machen oft viel mehr akzep­tiert wird, als ein­fach nur glück­lich­sein, sich wohl füh­len und sich gut gehen lassen.

Wie wirken Glück und positive Gefühle auf unsere Gesundheit?

Laut Hea­ther Ras­mus­sen von der Uni­ver­si­tät in Kan­sas ist Opti­mis­mus von allen posi­ti­ven Gefüh­len der bes­te Prä­dik­tor für phy­si­sche und psy­chi­sche Gesund­heit. Das heißt, opti­mis­ti­sche Men­schen sind deut­lich gesün­der als nega­tiv den­ken­de und füh­len­de Men­schen. Je nach Stu­die leben glück­li­che Men­schen 5 – 10 Jah­re län­ger als weni­ger glück­li­che. Glück­li­che Men­schen wer­den sel­te­ner krank und haben ein redu­zier­tes Herz‑, Kreis­lauf­ri­si­ko. Und sie haben ein gerin­ge­res Schlag­an­fall- und Herz­in­farkt­ri­si­ko.
Die­se Ergeb­nis­se sind im Grun­de genom­men nicht ver­wun­der­lich. Denn immer, wenn die­ser magi­sche Cock­tail von Sero­to­nin und Oxy­to­cin aus­ge­schüt­tet wird, redu­ziert sich die Kon­zen­tra­ti­on des gesund­heits­schäd­li­chen Stress­hor­mons Cor­ti­sol in unse­rem Kör­per deut­lich. Je öfter wir also glück­lich sind, des­to weni­ger Stress haben wir und umso gesün­der leben wir.

Letztendlich sind wir der Schlüssel zu unserem Glück

Eine Viel­zahl von Stu­di­en zeigt, dass die Qua­li­tät unse­rer sozia­len Bezie­hun­gen ganz ent­schei­dend ist für unse­re Gesund­heit und unser Glück­lich­sein. Die­se Bot­schaft soll­te für die Men­schen unter uns ein Weck­ruf sein, die sich mehr und mehr aus ihren sozia­len Bezie­hung zurück­zie­hen oder die­se immer gefühl­lo­ser, unver­bind­li­cher und aus­tausch­ba­rer gestal­ten.
Die wich­tigs­te Grund­la­ge für unser Glück­lich­sein, unse­re Zufrie­den­heit ist aber aus mei­ner Sicht sicher­lich die Qua­li­tät der Bezie­hung zu uns selbst.
Wenn wir in Freund­schaft, Selbst­be­ja­hung und Lie­be also im Ein­klang mit uns selbst leben, dann bie­tet die­ser Frie­den in uns die bes­te Vor­aus­set­zung, um mit all den ande­ren hier genann­ten Schrit­ten das Glück in unse­rem Leben wach­sen und ver­meh­ren zu lassen.

Sir Charlie Chaplin war nicht nur einer der einflussreichsten Komiker der Zeitgeschichte

Char­lie Chap­lin einer der ganz gro­ßen Film­schaf­fen­den und einer der ganz beson­de­ren Men­schen soll an sei­nem 70. Geburts­tag ein Gedicht über Selbst­lie­be geschrie­ben und vor­ge­tra­gen haben. Aus die­sem Gedicht möch­te ich zum Abschluss mei­nes Blog­bei­tra­ges fol­gen­den Aus­zug zitie­ren. Die­ser bewegt und beein­druckt mich sehr: „Als ich mich selbst zu lie­ben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Spei­sen, Men­schen, Din­gen, Situa­tio­nen und von Allem, das mich immer wie­der hin­un­ter­zog, weg von mir selbst. Anfangs nann­te ich das „Gesun­den Ego­is­mus“, aber heu­te weiß ich, das ist Selbst­lie­be.“

Ich wün­sche Euch ein glück­li­ches und gesun­des neu­es Jahr 2022!

Zwei wichtige menschliche Fähigkeiten, die sich im Alter deutlich verbessern!

Zwei wichtige menschliche Fähigkeiten, die sich im Alter deutlich verbessern!

Zwei wichtige menschliche Fähigkeiten, die sich im Alter deutlich verbessern!

Tol­les Ergeb­nis einer aktu­el­len Stu­die aus den USA Ein inter­na­tio­na­les For­scher – Team der George­town Uni­ver­si­ty, Washing­ton, unter­such­te jetzt 702 Per­so­nen im Alter von 58 und 98 Jah­ren. Mit Hil­fe von spe­zi­el­len Tests ermit­tel­ten sie, wel­che zwei Schlüsselfunktionen…

Tolles Ergebnis einer aktuellen Studie aus den USA

Ein inter­na­tio­na­les For­scher – Team der George­town Uni­ver­si­ty, Washing­ton, unter­such­te jetzt 702 Per­so­nen im Alter von 58 und 98 Jah­ren. Mit Hil­fe von spe­zi­el­len Tests ermit­tel­ten sie, wel­che zwei Schlüs­sel­funk­tio­nen unse­res Gehirns sich erst im Alter rich­tig ent­wi­ckeln. Es sind die Fähig­keit, neue Infor­ma­tio­nen auf­zu­neh­men und die Fähig­keit, sich in stres­si­gen Situa­tio­nen auf bestimm­te Din­ge kon­zen­trie­ren zu kön­nen.

Der Wert älterer Menschen und die Bedeutung des Alterns muss neu betrachtet werden

Stu­di­en­lei­ter Prof. Micha­el Ull­man hob in einer Uni­ver­si­täts­mit­tei­lung2 her­vor: „Die­se Ergeb­nis­se sind erstaun­lich und haben wich­ti­ge Kon­se­quen­zen dafür, wie wir das Altern betrach­ten soll­ten“. Die Ergeb­nis­se der Stu­die wur­den aktu­ell im Fach­blatt „Natu­re Human Beha­vi­or“ ver­öf­fent­licht.
Bei der Unter­su­chung der 702 Per­so­nen kon­zen­trier­te sich das For­scher-Team vor allem auf die Hirn­netz­wer­ke, die an „Alar­mie­rung“, „Ori­en­tie­rung“ und „exe­ku­ti­ver Hem­mung“ betei­ligt sind.

Alarmierung, Orientierung und exekutive Hemmung

„Alar­mie­rung“ ist ein Zustand erhöh­ter Wach­sam­keit und Bereit­schaft, auf ein­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen zu reagie­ren. „Ori­en­tie­rung“ ermög­licht uns, uns im Raum zurecht­zu­fin­den. Und das neu­ro­na­le Netz­werk der „exe­ku­ti­ven Hem­mung“ fil­tert aus dem ange­bo­te­nen Umwelt­in­for­ma­tio­nen die ablen­ken­den und wider­sprüch­li­chen her­aus. Dadurch sind wir in der Lage, uns bes­ser auf das Wesent­li­che zu konzentrieren.

Fähigkeiten, die wir ständig nutzen

Mit­au­tor Dr. Joao Vers­si­mo erklär­te hier­zu: „Wir nut­zen alle die­se drei Pro­zes­se stän­dig. Wenn Sie bei­spiels­wei­se ein Auto fah­ren, erhöht Alar­mie­rung Ihre Auf­merk­sam­keit, wenn Sie sich einer Kreu­zung nähern. Ori­en­tie­rung erfolgt, wenn Sie Ihren Blick auf eine uner­war­te­te Bewe­gung len­ken, z.B. einen Fuß­gän­ger. Und die exe­ku­ti­ve Hem­mung ermög­licht es Ihnen, Ablen­kun­gen wie Vögel oder Wer­be­ta­feln aus­zu­blen­den, damit Sie sich auf das Fah­ren kon­zen­trie­ren können.“

Wunderbar: Zwei dieser drei Fähigkeiten nehmen im Alter deutlich zu

Laut den Ergeb­nis­sen der Stu­die des For­scher-Teams nahm von die­sen 3 Hirn­funk­tio­nen nur die „Alarm­fä­hig­keit“ ab. Dage­gen ver­bes­ser­ten sich die bei­den ande­ren Funk­tio­nen „Ori­en­tie­rung“ und „exe­ku­ti­ve Hem­mung“ im Alter erheb­lich. Der Wert älte­rer Men­schen ist also grö­ßer als lan­ge gedacht.

Denn älter Men­schen haben einen her­aus­ra­gen­den Gesamt­über­blick von der Situa­ti­on, in der sie sich gera­de befin­den. Und sie sind weni­ger anfäl­lig für äuße­re Stör­fak­to­ren. Dies sind natür­lich zwei Fähig­kei­ten, die für den ein­zel­nen älte­ren Men­schen aber auch für die Teams, in denen sie arbei­ten oder anders aktiv sind, sehr nütz­lich sind. Und wenn wir die­se Fähig­kei­ten in Zukunft bewusst deut­lich mehr nut­zen, kön­nen sie unse­re Gesell­schaft sehr bereichern.

Zwei Fähigkeiten, in denen ältere Menschen jüngeren haushoch überlegen sind

Denn die­se Fähig­kei­ten füh­ren u. a. auch zu mehr Gelas­sen­heit und inne­rer Ruhe. Und erleich­tern damit die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit. Dies sind Seins­zu­stän­de, die bei der Erfas­sung und Bewer­tung kom­ple­xer Situa­tio­nen sehr wert­voll sind. Und die schließ­lich auch die ziel­füh­ren­de Ent­schei­dungs­fin­dung unterstützen.

Älte­re Men­schen sind also jün­ge­ren bezo­gen auf Selbst­kon­trol­le, Navi­ga­ti­on, mathe­ma­ti­sches Ver­ständ­nis, Spra­che und Ent­schei­dungs­fin­dung teil­wei­se haus­hoch über­le­gen.
Der Wert älte­rer Men­schen muss somit neu betrach­tet werden.

Ältere Menschen als ganz wichtiger Beitrag für unser Zukunft

Für Vers­si­mo und Ull­man, die Autoren der Stu­die und ihr For­scher­team steht fest, dass die The­men Altern, Psy­che und Gehirn neu über­dacht wer­den müssen.

Und ich per­sön­lich den­ke, dass gera­de in unse­rer abge­lenk­ten und durch eine Infor­ma­ti­ons­flut und den stän­dig zuneh­men­den Leis­tungs­druck über­dreh­ten Gesell­schaft älte­re Men­schen mit sol­chen Fähig­kei­ten sehr wert­voll sind. Für die Lösung unse­rer Her­aus­for­de­rung und die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on unse­res Zusam­men­le­bens in unse­rer mitt­ler­wei­le hoch­kom­ple­xen Welt.

Quel­len:

Zu 1 : Vers­si­mo, J. Verha­eg­hen P, Gold­mann N, Wein­stein M, Ull­man MT. Evi­dence that age­ing viel­ds, impro­ve­ments as well as decli­nes across atten­ti­on and exe­cu­ti­ve func­tions. Natu­re Human Beha­vi­or. (2021)

Zu 2 : Teber K. Key Men­tal Abi­li­ties Can Actual­ly Impro­ve During Aging. Geor­get­town Uni­ver­si­ty Medi­cal Cen­ter (2021)